Rezension | Roman | Der goldene Handschuh | Heinz Strunk

Veröffentlicht: 14. März 2016 in Krimis und Thriller
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Der goldene HandschuhKlappentext:

Dieser phantastisch düstere, grell komische und unendlich traurige Roman ist der erste des Autors, der ohne autobiographische Züge auskommt. Ein Strunkbuch ist es trotzdem ganz und gar. Sein schrecklicher Held heißt Fritz Honka – für in den siebziger Jahren aufgewachsene Deutsche der schwarze Mann ihrer Kindheit, ein Frauenmörder aus der untersten Unterschicht, der 1976 in einem spektakulären Prozess schaurige Berühmtheit erlangte. Honka, ein Würstchen, wie es im Buche steht, geistig und körperlich gezeichnet durch eine grausame Jugend voller Missbrauch und Gewalt, nahm seine Opfer aus der Hamburger Absturzkneipe „Zum Goldenen Handschuh“ mit.

Strunks Roman taucht tief ein in die infernalische Nachtwelt von Kiez, Kneipe, Abbruchquartier, deren Bewohnern das mitleidlose Leben alles Menschliche zu rauben droht. Mit erzählerischem Furor, historischer Genauigkeit und ungeheurem Mitgefühl zeichnet er das Bild einer Welt, in der nicht nur der Täter gerichtsnotorisch war, sondern auch alle seine unglücklichen Opfer. Immer wieder unternimmt der Roman indes Ausflüge in die oberen Etagen der Gesellschaft, zu den Angehörigen einer hanseatischen Reederdynastie mit Sitz in den Elbvororten, wo das Geld wohnt, die Menschlichkeit aber auch nicht unbedingt. Am Ende treffen sich Arm und Reich in der Vierundzwanzigstundenkaschemme am Hamburger Berg, zwischen Alkohol, Sex, Elend und Verbrechen: Menschen allesamt, bis zur letzten Stunde geschlagen mit dem Wunsch nach Glück.


Meine Meinung:

Ich muss es so sagen: Obwohl mir beim Lesen mehrfach übel wurde, konnte ich dieses Buch nicht aus der Hand legen. Warum? Weil die Story ungeschönt ist. Weil es diese Art von Menschen gab und ganz sicher noch gibt. Es gibt sie, die „Säberalmas“ (Frauen, die vom Alkoholmissbrauch ein Speichelproblem haben) oder „Schimmlige“ (dieses Wort bedarf keiner Erklärung), die ganz hinten in 24-Stunden Kneipen vor sich hin vegetieren oder dort sogar unbemerkt sterben.

Das Buch ist unglaublich gut geschrieben. Da passt jeder Satz, jedes Wort. Allerdings schaffte der Autor es nicht, mein Mitgefühl oder gar Verständnis für dieses Monster Honka zu wecken, das nicht. Aber ich habe nun eine etwas andere Sichtweise auf diesen Menschen. Und auf seine Opfer. Ob mir das jetzt gefällt oder nicht.

Ich kann das Buch jedem Leser empfehlen, der einmal einen Blick auf die absoluten Verlierer, den sogenannten „Abschaum der menschlichen Gesellschaft“, werfen möchte. Aber Vorsicht, dieser Blick ist sehr schwer auszuhalten.

Ach, eins noch: Die „grell komischen“ Dinge habe ich in diesem Buch gar nicht wirklich wahrgenommen. Aber ich möchte nicht ungerecht sein, ich war und bin immer noch absolut schockiert.

Fazit: Eine erschütternde Millieustudie über ewige Verlierer. Schwer zu ertragen.

Buchhighlight

 

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: Rowohlt; Auflage: 4 (26. Februar 2016)

 

 

Der goldene Handschuh

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Kommentare
  1. Christina sagt:

    Ich habe schon sehr viele Rezensionen gelesen. Aber erst der Satz „Obwohl mir beim Lesen mehrfach übel wurde, konnte ich dieses Buch nicht aus der Hand legen“ konnte mich zu einem Kauf bewegen. Danke !

    Gefällt mir

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