Was erwartet ihr, wenn ihr Lesungen besucht?

Veröffentlicht: 21. November 2014 in Diverses

Ich habe letztens den Bericht einer Bloggerin zur Lesung von Hape Kerkeling gelesen. Sie war unter anderem enttäuscht darüber, dass es keine Wunschsignaturen gab und Hape Kerkeling sehr abgeschirmt wurde. So wie ich das sehe, wurde mein Kommentar auf ihrem Blog bisher nicht freigeschaltet, warum auch immer.

Ich würde nun gerne eure Meinungen über Lesungen wissen. Geht es überhaupt noch um Bücher oder nur noch um die Person des Autors? 

Hier mein Kommentar:

„Liebe XY,

kann es vielleicht sein, dass inzwischen viele Leser die Lesungen gar nicht mehr als das ansehen, was sie sind? Nämlich in erster Linie Werbe- und Verkaufsveranstaltungen? Es geht doch zunächst um Bücher oder vielmehr um ein bestimmtes Buch. Mehr erst einmal nicht. Sonst wäre es keine Lesung, sondern ein Treffen. Danach wird natürlich auch Wert auf Kontakt mit dem Leser gelegt, keine Frage. Dieser hat ja auch dafür bezahlt … Hat man Glück, bekommt man für sein Geld sogar noch Häppchen.

Mir kommt es inzwischen so vor, als haben die Autoren inzwischen vermehrt regelrechte “Groupies,” die an dem Inhalt der Bücher kaum noch interessiert sind, aber den Autor so sympathisch und nett finden. Egal was der nun schreibt, alles ist dann toll und mag es noch so schlecht sein. Da verschiebt sich doch inzwischen so einiges. Natürlich gibt es Autoren, die sehr sympathisch und nett ‘rüberkommen, gar keine Frage. Und offen und ehrlich sind. Aber auch sie wollen vorranging doch eines: Erfolg, und Bücher verkaufen. Vielleicht auch Sympathie? Je toller die “Show”, je privater die Informationen, je besser verkaufen sich die Bücher. Das ist auch nicht schlimm und legitim. Nur sollte man das nicht vergessen.

Hape Kerkeling will sich, wenn die Meldung stimmt, ja mit 50 Jahren zurückziehen, also dann im nächsten Jahr. Er wird dafür sicher noch so einige Bücher verkaufen müssen. Das wird für ihn harte Arbeit sein. Vielleicht bleibt die Sympathie da einfach auf der Strecke. Oder er setzt Prioritäten. Ihr zahlt dafür, ihn zu sehen. Er liest. Ihr kauft sein Buch. Fertig. Ziel erreicht.

Nicht jeder Autor möchte vielleicht viel von sich preisgeben. Schon gar nicht auf einer Lesung. Er kann und möchte das eventuell gar nicht. Ich möchte das nicht entschuldigen, ich gebe nur zu bedenken.

Trotzdem tut es mir für dich leid, du hast Geld bezahlt und dich ja darauf gefreut.

Liebe Grüße

Claudia“

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Kommentare
  1. Eigentlich „nur“ 45 Minuten Unterhaltung – in Form von Leseproben, Anekdoten, Publikumsfragen+Antworten… 🙂

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  2. Liebe Claudia, ich war auch auf einer Lesung in Köln mit Hape Kerkeling. Ich habe den Bericht nicht gelesen und kann aber nur bestätigen, dass wir den Abend auch etwas komisch fanden. In der Mayerschen sind wir öfters auf Lesungen, aber es ist noch nie passiert, dass die Leute erst 10 Minuten vor Beginn reingelassen wurden. Da war eine Atmosphäre, als käme der Präsident der USA. Der anschliende Abend mit Hape Kerkeling war toll, aber beim Signieren wurden er total abgeschirmt und die Bücher wurden einem quasi von den Angestellten aus den Händen gerissen und dann musste man auch schnell weitergehen. Ich bin doch der Meinung, dass man sich, wenn man auf einer Lesung ist, natürlich auch über ein signiertes Buch freut. Die Anzahl der Besucher war ja überschaubar. L.G. Annette P.S. Wo hast Du denn den Bericht gelesen ?

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  3. Philipp Elph sagt:

    Den MENSCHEN, der das Buch geschrieben hat, möchte ich kennenlernen. Mehr von ihm zu hören (und im O-Ton), als das in gedruckten Interviews rüberkommt. Erleben, was er für ein Mensch ist. Eine reine Leseveranstaltung brauche ich nicht. Meist habe ich das Buch, aus dem vorgetragen wird, bereits gelesen.
    Und ja, da mag sich teilweise wohl so eine Pop-Kultur entwickeln, in der die Stars und nicht ihr Produkt im Vordergrund stehen. M.E. ist das aber auf wenige AutorenInnen beschränkt. Ich habe in den letzten Jahren an vielen Lesungen von Thriller- und KrimiautorenInnen teilgenommen. Das waren internationale Stars, nationale und lokale Größen und Debutanten. Ein Ereignis wie die Lesung Kerkelings in Köln mit derartigen Erscheinungen habe ich noch nie erlebt. Selbst ein Jo Nesbø hatte alle Zeit der Welt, auf Fragen des Moderators der Veranstaltung ausgiebig zu antworten und anschließend zu signieren. Und auch deutsche „Bestseller-Autoren“, die ich erlebte, traten stets unprätenziös auf – der eine ex-, der andere mehr introvertiert, viele dazwischen – und das vor „normalem“ Publikum. Vielleicht war ich noch nicht bei denen, die sich für Super-VIPs halten, mit Starallüren glänzen oder auch ganz einfach „keinen Bock“ auf Publikum haben, auch wenn sie noch so angehimmelt werden.

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  4. Ich gehe nicht oft auf Lesungen, aber wenn ich dorthin gehe, möchte ich mehr über die Entstehung und den HIntergrund des Buches erfahren, und das aus erster Hand bzw. dem Munde des Autors. Ich finde dies sehr interessant und lese/sehe das Buch dann viel bewusster. Und dabei ist es mir egal, ob es ein bekannter oder -bisher- unbekannter Autor/in ist. Aber es ist schon so: ist mir ein Autor/in sympathisch, menschlich, usw., wird mir wohl auch das Buch besser gefallen als dies bei einem Autor/in der Fall wäre, der mir eher unsympathisch oder arrogant daherkommt. Immerhin sehe ich beim Lesen doch im Hintergrund den Schreiber der Zeilen vor mir…
    Liebe Grüße, Birthe

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  5. Hm, schwieriges Thema…

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  6. Ups, ich wollte doch noch etwas mehr dazu sagen 😉
    Ich mag Lesungen, auch wenn es in meiner Stadt leider eher selten die Möglichkeit gibt eine Lesung zu besuchen. Ich verstehe schon, dass es sich eigentlich um eine „Verkaufsveranstaltung“ handelt und ich habe ja meist auch im Vorfeld schon das Buch gekauft und gelesen 😉 Hier und da besuche ich auch erst die Lesung und dann, wenn mir die Ausschnitte aus dem Buch gefallen haben und ich dann wissen will wie es ausgeht wird das Buch dann nach oder während der Leseung erstanden.
    Grundsätzlich erhoffe ich mir aber von einer Lesung auch ein wenig über den Autoren zu erfahren, vielleicht ein oder zwei Bilder von ihm zu machen und wenn ich ehrlich bin mag ich dann vielleicht auch noch ein Autogramm von ihm…ich denke dass sollte eigentlich drin sein 😉
    Klar kann ich verstehen, wenn gewisse Größen mittlerweile ein wenig Abstand zu Ihrem Publikum halten, ich denke, da gibt es ja vielleicht auch das eine oder andere Gerangel…wobei ich dies dann aber von Seiten der „Fans“ wiedderum nicht verstehen kann und möchte…

    LG Moni

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